Gender

Aus SGK Berlin

„Gender“ meint im Gegensatz zum „biologischen Geschlecht“ das „soziale Geschlecht“ und bezieht sich damit auf eine spezifische Geschlechterkultur, die in abendländischen Gesellschaften zwei Geschlechter entlang körperlicher Merkmale unterscheidet. Der Begriff verdeutlicht, dass das Geschlecht etwas ist, das historisch-gesellschaftlich hervorgebracht worden ist und beständig neu hervorgebracht wird. Der Prozess des Hervorbringens von Geschlecht wird als „Gendering“ bezeichnet. Danach werden sowohl Frauen als auch Männern jeweils unterschiedliche, sich gegenseitig ausschließende Eigenschaften und Verhaltensmuster zugeschrieben (Geschlechtsrollen, Geschlechterordnung) und die männliche Sphäre der Kultur gesellschaftlich höher bewertet als die weibliche Sphäre der Natur (Geschlechterhierarchisierung) sowie die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung begründet. Der Begriff trägt der Tatsache Rechnung, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

Gender Mainstreaming

Der Begriff Gender Mainstreaming („Integration der Gleichstellungsperspektive“, „durchgängige Gleichstellungsorientierung“) ist ein Konzept zur (Um-)Gestaltung des Geschlechterverhältnisses, das seine Wurzeln in der Entwicklungspolitik hat. Dieses Konzept wurde erstmalig 1984 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert und später auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 eingeführt sowie im Amsterdamer Vertrag 1997 als offizielles Ziel der Gleichstellungspolitik der Europäischen Union benannt. Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenslagen und Interessen gleichermaßen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen. Gemeint ist damit weder eine formale Gleichbehandlung noch eine Gleichstellung im Sinne einer Anpassung von Frauen an die unveränderten Strukturen und Verhältnisse. Vielmehr geht es ähnlich wie beim Diversity Management um eine Veränderung der tradierten Geschlechterverhältnisse in Richtung der Wertschätzung von Vielfalt und darum, geschlechtergerechte Bedingungen zu schaffen, die weder Frauen noch Männer aufgrund der Geschlechterzugehörigkeit benachteiligen. So muss zum Beispiel, wo von Frauen die Rede ist, dies auch sprachlich zum Ausdruck kommen (Feminisierung von Begriffen, neu gebildete feminine Personenbezeichnungen wie Bundestagspräsidentin; Feuerwehrfrau), und sind, wo von Frauen und Männern die Rede ist, beide gleich zu behandeln (Splitting, feminine und maskuline Personenbezeichnungen wie Kolleginnen und Kollegen, Fachfrau, Fachmann oder neutrale Bezeichnungen wie Fachleute, Kollegium, Studierende).

Gender Budgeting

Das sich anschließende Konzept des Gender Budgeting integriert die Geschlechterperspektive in alle Ebenen des Haushaltsprozesses. Ziel dabei ist, durch eine mögliche Umverteilung der Einnahmen und Ausgaben die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Die in der Berliner Verwaltung 2003/2004 eingeführte Gender Budget-Nutzenanalyse ermittelt unter anderem bei 56 Bezirksprodukten, ob die Angebote und Leistungen vermehrt von Frauen oder Männern in Anspruch genommen werden. Die geschlechtsspezifische Verteilung von Haushaltsmitteln wird als Betrag ermittelt und in Prozente umgerechnet.


Quelle: Berliner Kommunalpolitisches Lexikon, Stand: 2016